20.08.2019

Vauban und Houten: Auto­reduziert lebt es sich gut

von Caroline Haase

Autoreduziert leben in Vauban, Freiburg ·  Foto: imageBROKER/Alamy Stock Photo

Die Reduzierung des Autoverkehrs in Städten nützt nicht nur dem Klima, sondern kann auch die Lebensqualität erheblich steigern. Das zeigen autofreie Straßen und Viertel in vielen deutschen Städten, aber auch international. Diese existieren teilweise schon seit vielen Jahren und wurden schrittweise immer mehr ausgeweitet.

Autofreie oder autoreduzierte Stadtviertel in Deutschland gibt es zum Beispiel in Freiburg, Münster, Köln und München. Autofreie Straßen findet man in Hamburg, Bremen, Kassel und Berlin. Beispiele im Ausland gibt es unter anderem in Kopenhagen, Amsterdam, Wien, der Schweiz und Großbritannien.

Vauban in Freiburg

In Vauban, einem autoreduzierten Stadtteil im süddeutschen Freiburg, sollen vor allem kurze Wege das Auto überflüssig machen. In unmittelbarer Nähe gibt es Geschäfte für den täglichen Bedarf, Ärzte, Schulen, Kindergärten, Restaurants, Parks und Sportstätten, die problemlos zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht werden können.

Das Viertel ist durch mehrere Bahn- und Buslinien sehr gut mit der Innenstadt und dem Bahnhof verbunden, weshalb viele Bewohner*innen ihre privaten Autos abgeschafft haben. Für gelegentlich notwendige Fahrten kann man Carsharing-Angebote nutzen oder einen Mietwagen leihen. In den Wohnstraßen existieren keine Parkplätze, stattdessen gibt es Quartiers­garagen. Stellplätze für Besucher*innen in den Erschließungsstraßen sind kostenpflichtig.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Die Bewohner*innen wohnen entspannter, der öffentliche Raum wird zur Aufenthalts-, Begegnungs- und Spielfläche für Groß und Klein.
  • Es gibt weniger Unfälle, also mehr Sicherheit.
  • Die Umwelt wird geschützt, es gibt weniger Lärm und Verschmutzung durch Autos.
  • Bewohner*innen, die kein privates Auto haben, sparen viel Geld, da sie keinen Stellplatz kaufen oder bauen müssen. Das macht das Verkehrskonzept zusätzlich sozial.
  • Der Flächenverbrauch wird reduziert, wodurch kostengünstiger gebaut werden kann.
  • Mehr Bewegung ist gut für die Gesundheit.

Houten in den Niederlanden

Manche Städte sind noch mutiger, indem sie das gesamte Stadtgebiet zur autofreien Zone erklärt haben und Autos nur in den Randgebieten erlauben. Als Modellstadt gilt hier das niederländische Houten südlich von Utrecht. Die Stadt ist mit etwa 50.000 Einwohnern zwar nicht mit einer Großstadt wie Hamburg zu vergleichen, doch ließe sich sicherlich vieles aus dem Verkehrskonzept auf die Hansestadt übertragen oder angepasst umsetzen.

Viele Wege werden mit dem Rad, also normalen "Fietsen", E-Bikes und Lastenrädern, zurückgelegt. Das geht am schnellsten, da man auf Radwegen zügig in die Innenstadt gelangt, aber auch von Stadtviertel zu Stadtviertel. Außerdem gibt es E-Scooter, um kleine Kinder und Senioren zu befördern, die selbst nicht radfahren können.

Autofahrer*innen dagegen müssen Umwege in Kauf nehmen. Sie dürfen auf dem Weg von einem Viertel zum anderen nicht durch die Innenstadt fahren, sondern müssen aus dem Viertel heraus über die Stadtgrenzen in andere Viertel fahren. Autofahren wird also schlicht unbequemer.

Neben den Radwegen in der Innenstadt, in der sowieso keine Autos fahren dürfen, gibt es in den Randgebieten rot asphaltierte Fahrradstraßen. Hier dürfen auch Autos fahren, Radfahrer*innen haben allerdings immer Vorrang und die Autofahrer*innen müssen sich deren Tempo anpassen.

Die häufig angebrachte Sorge des Einzelhandels vor Umsatzeinbrüchen hat sich in Houten nicht bestätigt (dies gilt genauso für autofreie Bereiche in anderen Städten). In den Parkhäusern am Stadtrand, die gut an die Innenstadt angeschlossen sind, können Autofahrer*innen zwei Stunden kostenlos parken, was sogar viele Kunden aus dem Umland anlockt.

Im Übrigen macht wohl gerade das Auto vor der Tür den Menschen zum Autofahrer, so Hermann Knoflacher, ein Wiener Verkehrsprofessor. Sobald das Auto weiter entfernt untergebracht wird, wird es auch deutlich weniger genutzt. Damit tut man am Ende also nicht nur etwas für die Umwelt, sondern auch für die eigene Gesundheit.

Quellen

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