26.08.2019

Ottensen ist nicht allein: "Lessons learned" aus anderen Verkehrs­versuchen

von Ann-Julia Schaland

Parking Day Sendlinger Straße im Herbst 2014 ·  Foto: Green City e.V./Michaila Kühnemann

Verkehrsversuche sind eine gängige Maßnahme, um neue Verkehrskonzepte zu testen, zu evaluieren und auf dessen Grundlage einen Beschluss zu fassen.

So läuft beispielsweise gerade in Karlsruhe ein Pilotprojekt in der Karl-Friedrich-Straße, in Frankfurt am Main wurde der Mainkai zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke ein Jahr für Autos verboten und in Berlin soll die Friedrichstraße 2020 für mehrere Wochen gesperrt werden. Köln hat in der Zülpicher Straße einen Verkehrsversuch getestet und in München wurde die Sendlinger Straße nach einer einjährigen Testphase in eine langfristige Fußgängerzone umgewandelt.

Beispiel Sendlinger Straße in München

Das letztgenannte Beispiel hat gezeigt, dass die Fußgängerzone an Freizeit- und Erholungswert für verschiedene Nutzergruppen gewonnen hat.

Die Freiheit für Fußgänger in der Straßenmitte zu gehen und auf Sitzmöbeln zu verweilen, wurde von Passanten, Mitarbeiter*innen der Gewerbe und jungen wie alten Anwohner*innen positiv bewertet. Die Anwohner*innen bewerteten vor allem die Wohnqualität in Bezug auf Lärm und Abgase nach der Umwandlung der Straße positiv, kritisierten aber auch die Zugänglichkeit für Anlieferungen.

Die Passanten sind entspannter, die Lauf­geschwindigkeit scheint zurück­gegangen zu sein. Die Leute schauen jetzt auch mal nach links und rechts in die Schaufenster.

Gewerbetreibender aus der Sendlinger Straße in München 1

Auch die Gewerbetreibenden beurteilten den Umsatz, die Kundenfrequenz und die Zufriedenheit der Kund*innen positiv. Auch sie bemängelten jedoch, dass sich Lieferungen durch die verlängerten Wege häufiger verspäteten.

Beobachtungen zeigten, dass Fußgänger den ehemaligen Straßenraum noch mit Unsicherheit betraten. Sie schauten vor dem Über­queren der Straße nach links und rechts, da sie mit wider­rechtlichem Einfahren von PKWs rechneten. Dies wird sicherlich auch die Nutzung des Straßenraums in Ottensen beeinflussen.

Außerdem wurde in der Sendlinger Straße klar, dass eine umfassende Beschilderung, die darauf hinweist, dass PKWs mit Sonder­genehmigungen in die Zone einfahren dürfen, wichtig ist, um Konflikte zwischen Passanten und einfahrenden Autos zu vermeiden.

Insgesamt hat der Versuch gezeigt, dass die Bedeutung der Sendlinger Straße als Ort zum Verweilen und Erholen zugenommen hat und gleichzeitig die ursprüngliche Funktion der Straße mit ihren diversen Nutzungen – Einkaufen, Arztbesuche, Weg zur Arbeit, Kita, Schule – erhalten geblieben ist. Ähnliches ist in Ottensen zu erwarten.

Zurück